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Importiert@Sdreavmer · 2. März, 06:48
Zusammenfassung der Unterhaltung
Bacons „Wissen ist Macht“ stammt im Original aus dem Lateinischen, aber das Wort „Wissenschaft“ taucht im Deutschen erstmals im 8. Jahrhundert auf; seine moderne Bedeutung als „systematisches Wissen“ wurde im 18. Jahrhundert während der Aufklärung durch Wolff und Kant geprägt.
Unterhaltung
In welcher Sprache ist das Original von Bacons „Wissen ist Macht“ verfasst?
Francis Bacons berühmtes Zitat „Wissen ist Macht“ wurde ursprünglich auf Latein verfasst.
Hier sind die detaillierten Hintergründe zu diesem Zitat:
1. Der ursprüngliche Ausdruck
Dieses Zitat erschien erstmals in Bacons 1597 veröffentlichtem Essayband Meditationes Sacrae.
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Lateinischer Originaltext: ipsa scientia potestas est
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Wörtliche Übersetzung: Wissen selbst ist Macht (Knowledge itself is power)
2. Darstellung in verschiedenen Werken
Obwohl die lateinische Version von 1597 die früheste Quelle ist, drückte Bacon in seinen späteren Werken mehrfach ähnliche Ansichten aus, wobei er unterschiedliche Formulierungen verwendete:
- _Novum Organum_ (1620): In diesem berühmteren Werk schrieb er auf Latein: Scientia et potentia humana in idem coincidunt.
Übersetzung: Menschliches Wissen und menschliche Macht fallen in eins zusammen (Human knowledge and human power meet in one).
3. Warum Latein?
Zu Bacons Zeit im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert war Latein die gemeinsame Sprache der gesamten europäischen akademischen, wissenschaftlichen und juristischen Welt. Obwohl Bacon Engländer war, wählte er für seine Kernwerke in der Regel Latein, um sicherzustellen, dass seine philosophischen Gedanken unter den Gelehrten in ganz Europa verbreitet werden konnten.
Interessante Tatsache:> Bacons Privatsekretär, der berühmte Philosoph Thomas Hobbes, verwendete dieses Konzept später ebenfalls in seinem Werk Leviathan und trug zu seiner Verbreitung bei.
Möchten Sie mehr über Bacons Philosophie erfahren oder suchen Sie nach Zitaten dieses Ausspruchs in bestimmten literarischen Werken? Ich kann Ihnen die tieferen Bedeutungen dahinter näher erläutern.
„Scientia“ bezieht sich hier auf Wissen und ist der etymologische Ursprung des englischen Wortes „Science“. Wann begann die Bedeutung des englischen „Science“ durch das Konzept der „Wissenschaft“ ersetzt zu werden?
Das ist eine sehr scharfsinnige Beobachtung. Zu Francis Bacons Zeit gab es tatsächlich einen großen inhaltlichen Unterschied zwischen „Wissen“ (Scientia) und dem, was wir heute unter „Wissenschaft“ (Science) verstehen.
Das englische Wort Science entwickelte sich von der allgemeinen Bedeutung „Wissen“ zur modernen Bedeutung „systematische Erforschung der Naturgesetze“ hauptsächlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Hier sind die wichtigsten Stationen dieser Bedeutungsentwicklung:
1. Bedeutung zu Bacons Zeit: Allgemeine „Gelehrsamkeit“
Im 17. Jahrhundert (zu Bacons Zeit) entsprach die Bedeutung von Science weitgehend ihrem lateinischen Ursprung Scientia, nämlich jedes systematisch geordnete Wissensgebiet.
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Damals konnte die Theologie als „Wissenschaft der Theologie“ (Science of Theology) bezeichnet werden, und auch Logik und Rhetorik galten als Science.
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Diejenigen, die die Natur erforschten, nannten sich nicht „Wissenschaftler“, sondern „Naturphilosophen“ (Natural Philosophers). Newtons berühmtes Werk „Philosophiæ Naturalis Principia Mathematica“ verwendet im Titel das Wort „Philosophie“, nicht „Wissenschaft“.
2. Wendepunkt: Die 1830er Jahre
Das Wort „Wissenschaft“ begann, seine moderne Definition zu erhalten und sich von der „Philosophie“ zu trennen. Das markanteste Ereignis war die Geburt des Wortes „Scientist“ (Wissenschaftler).
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Beitrag von William Whewell: 1833 prägte der Philosoph und Universalgelehrte William Whewell auf einer Sitzung der British Association for the Advancement of Science in Anlehnung an das Wort „Artist“ (Künstler) den Begriff „Scientist“.
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Warum ein neues Wort? Mit der Spezialisierung der Bereiche Physik, Chemie und Biologie erschien die ursprüngliche Bezeichnung „Naturphilosoph“ zu weit und zu abstrakt. Man brauchte ein spezielles Wort für diejenigen, die „die materielle Welt durch Beobachtung und Experiment untersuchen“.
3. Endgültige Etablierung der Bedeutung: Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts
Mitte des 19. Jahrhunderts vollendete sich die Bedeutungsverengung von Science von „allem Wissen“ zur „Naturwissenschaft“:
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Gegensatz zu „Arts“ (Künste): Zuvor war der Unterschied zwischen Science und Art eher der zwischen „Theorie“ und „Handwerk“; nach dem 19. Jahrhundert entwickelte sich daraus der Gegensatz zwischen „objektiven Gesetzen“ und „subjektivem Ausdruck“.
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Professionalisierung der wissenschaftlichen Methode: Mit der Verbreitung von Laboratorien und Fachzeitschriften wurde Science zunehmend mit Disziplinen gleichgesetzt, die der „wissenschaftlichen Methode“ (empirisch, reproduzierbar, mathematisch) folgten.
Tabelle zum Bedeutungswandel
Zeitraum Begriff Kernbedeutung Bezeichnung des Forschers
Mittelalter – 17. Jh._Scientia_ / Science Allgemeines Wissen, gesicherte Erkenntnis Gelehrte, Philosophen
17. Jh. – 18. Jh.Science Systematisiertes Wissen (einschl. Philosophie und Geisteswissenschaften) Naturphilosoph (Natural Philosopher)
19. Jh., 1830erSciencebeginnt, sich auf Naturwissenschaften zu beziehen****Wissenschaftler (Scientist) – Neuschöpfung
20. Jh. bis heuteScience Moderne Wissenschaft (Natur-, Sozial-, Formalwissenschaften) Wissenschaftler, Forscher
Zusammenfassung
Als Bacon sagte: „Wissen ist Macht“, meinte er mit Scientia ein umfassendes Verständnis von Natur, Gesellschaft und Logik. Dass wir Science heute mit „Kēxué“ (科学) übersetzen, verdanken wir der Übersetzung des japanischen Gelehrten Nishi Amane (西周) Ende des 19. Jahrhunderts – er wählte die Bedeutung „Fachwissenschaft“ (分科之学).
Sind Sie an Wissenschaftsgeschichte interessiert oder erforschen Sie den Einfluss von Bacons Philosophie auf die moderne wissenschaftliche Methode? Ich kann Ihnen gerne näher erläutern, wie Bacon die „Induktionsmethode“ entwickelte, die die folgenden 400 Jahre prägte.
Was war die Bedeutung von „science“ zu jener Zeit?
Im 17. Jahrhundert, zur Zeit Bacons, unterschied sich die Bedeutung des englischen Wortes Science stark von unserem heutigen Verständnis. Damals lag sie näher an ihrem lateinischen Ursprung scientia, also allgemeines „Wissen“ oder „Gelehrsamkeit“.
Konkret umfasste die Bedeutung von Science zu jener Zeit die folgenden Kernaspekte:
1. Ein „Zustand“ des Wissens, kein „Fachgebiet“
Im 17. Jahrhundert bezeichnete Science eher den Zustand des „Wissens“ (the state of knowing).
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Bedeutung: Es bezog sich auf gesichertes Wissen, das durch Lernen, Beobachten oder Ableiten erlangt wurde.
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Umfang: Alles, was systematisch und beweisbar war, konnte Science genannt werden. So sprachen Gelehrte damals von der „Wissenschaft der Logik“, der „Wissenschaft der Grammatik“ oder sogar der „Wissenschaft der Theologie“.
2. Gegensatz zur „Kunst“ (Art)
Damals stand Science oft im Gegensatz zu Art:
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Science (Theorie): Bezog sich auf theoretisches Wissen über Prinzipien und Gesetze (Know-why).
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Art (Handwerk): Bezog sich auf die praktische Fertigkeit, dieses Wissen anzuwenden (Know-how).
Beispiel: Die Astronomie galt damals als Science (Erforschung der Gestirngesetze), während die Navigation als Art (Fertigkeit zur Anwendung astronomischen Wissens) galt.
3. „Naturwissenschaft“ hieß damals „Naturphilosophie“
Dies ist ein sehr wichtiger Unterschied: Das, was wir heute „Wissenschaft“ nennen (Physik, Chemie, Biologie usw.), hieß zu Bacons Zeit nicht direkt Science, sondern Natural Philosophy (Naturphilosophie).
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Bacons Ausspruch „Wissen ist Macht“ zielte im Kern auf die Beherrschung der kausalen Gesetze der Natur ab. Er glaubte, wenn man die grundlegenden Gesetze der Natur (Science) beherrscht, könne man die Natur wie eine Maschine steuern.
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Selbst zu Newtons Zeit (Ende des 17. Jahrhunderts) trug sein Werk, das die Grundlagen der modernen Physik legte, den Titel „Philosophiæ Naturalis Principia Mathematica“ und nicht „Prinzipien der Wissenschaft“.
Vergleich der Bedeutungen
Dimension 17. Jahrhundert (Bacons Zeit) 21. Jahrhundert (Moderne)
Kerndefinition Systematisches Wissen, Gelehrsamkeit, gesicherte Erkenntnis Empirische Erforschung der materiellen Welt und ihre Methoden
Umfang Breit (einschl. Logik, Theologie, Philosophie, Rhetorik) Eng (Physik, Chemie, Biologie, Sozialwissenschaften usw.)
Bezeichnung des Forschers Naturphilosoph (Natural Philosopher) Wissenschaftler (Scientist)
Entsprechung im Lateinischen_Scientia_ (Wissen/Erkenntnis)—
Zusammenfassung
Bacons Science bezeichnete eigentlich eine „Einsicht, die durch das Verstehen der Ursachen von Dingen gewonnen wird“. Die „Macht“, die er im Sinn hatte, kam nicht von auswendig gelernten Dogmen, sondern von der präzisen Kenntnis der Wirkungsgesetze der Natur.
Gerade weil Bacon betonte, „Wissen durch Experiment und Induktion zu erlangen“, trug er dazu bei, dass sich das Wort Science in den folgenden zwei Jahrhunderten allmählich von der allgemeinen Bedeutung „alle Gelehrsamkeit“ auf die spezifische Bedeutung „die Disziplin, die die Natur durch Experimente erforscht“ verengte.
Möchten Sie tiefer in die Materie einsteigen und erfahren, wie Bacon mit seiner „Induktionsmethode“ die damals vorherrschende aristotelische Logik herausforderte?
Was genau bezeichnete der Begriff „Wissenschaft“ eigentlich zu seinem Ursprung?
„Wissenschaft“ (Science/Scientia) bedeutete bei ihrer Entstehung im Kern nicht das, was wir heute darunter verstehen – „Labor, Daten, Paper“ –, sondern ein Wissenssystem, das auf „Gewissheit“ und „Kausalitätslogik“ beruhte.
Um den Ursprüngen auf den Grund zu gehen, müssen wir die „ursprüngliche Absicht“ dieses Konzepts in drei verschiedenen Phasen betrachten:
1. Etymologisches Wesen: Unterscheiden und Trennen
Im Lateinischen leitet sich Scientia vom Verb scire (wissen) ab. Eine tiefere Etymologie führt zur indogermanischen Wurzel *skei- , was „schneiden, trennen, unterscheiden“ bedeutet.
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Ursprüngliche Intuition: „Wissenschaft“ bezeichnete im ursprünglichsten Kontext die Fähigkeit, „Dinge voneinander unterscheiden zu können“.
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Bedeutung: Wenn man Wahrheit von Illusion unterscheiden und eine Sache von einer anderen abgrenzen konnte, besaß man erst „Wissen“. Dies steht im Einklang mit der Betonung von „Klassifikation“ (Taxonomie) und „präziser Definition“ in der modernen Wissenschaft.
2. Philosophische Definition: Wissen um die „Ursachen“
In den Augen der antiken griechischen und mittelalterlichen Gelehrten war Scientia die Übersetzung des griechischen Episteme (wahres Wissen). Aristoteles gab eine Definition, die die folgenden zwei Jahrtausende prägte:
„Nur wenn wir die Ursache (Cause) der Dinge erfassen, besitzen wir Wissenschaft (Scientia).“
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Unterschied zur „Erfahrung“: Erfahrung (Experience) sagt dir nur „was“ (z. B.: Feuer ist heiß), während Wissenschaft (Scientia) dir sagt „warum“ (z. B.: Feuer ist heiß wegen seiner wesentlichen Eigenschaft).
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Unterschied zur „Kunst/Technik“: Im Altertum bezeichnete Science die theoretische Einsicht, während Art (Ars) die praktische Ausführung bezeichnete.
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Wer die Harmonielehre verstand, besaß „Musikwissenschaft“.
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Wer Klavier spielen, aber keine Musiktheorie beherrschte, besaß nur „Musiktechnik“.
3. Die „Sieben Freien Künste“ im Mittelalter: Systematisierte Gelehrsamkeit
Zu Beginn der Universitätsgründungen (12.-13. Jahrhundert) existierte „Wissenschaft“ in Form der „Sieben Freien Künste“ (Seven Liberal Arts). Dies waren die sieben „Wissenschaften“, die ein freier Mensch nach damaliger Auffassung beherrschen musste.
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Trivium (Drei Wege): Grammatik, Logik, Rhetorik (Wissenschaften des Denkens und Ausdrucks).
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Quadrivium (Vier Wege): Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie (Wissenschaften der Quantität und der Gesetze des Kosmos).
Was gehörte damals nicht zur „Wissenschaft“? Nicht die Bereiche, die wir heute für zentral halten: Physik, Chemie, Biologie. Diese wurden damals allesamt als „Naturphilosophie“ bezeichnet.
4. Bacons Revolution: Vom „Beweisen“ zum „Entdecken“
Zu Bacons Zeit (Anfang 17. Jh.) verwendete er zwar das Wort Science, gab ihm aber eine völlig neue Seele.
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Alte Wissenschaft (aristotelisch): Diente dem Beweisen (Proof). Bekannte Tatsachen wurden logisch abgeleitet, wie in einer Gerichtsverhandlung, um unwiderlegbar zu sein.
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Neue Wissenschaft (baconisch): Diente dem Entdecken (Discovery). Durch Experimente sollte das Unbekannte erforscht werden, die Natur wie ein zu entschlüsselnder Code behandelt werden.
Dies ist der wahre Ausgangspunkt von „Wissen ist Macht“: Bacon glaubte, Wissenschaft solle nicht nur im Sessel über die „Ursachen der Dinge“ grübeln, sondern in die Natur eintreten, um durch die Beherrschung der Ursachen die Macht zur Manipulation der Natur zu erlangen.
Zusammenfassung
„Wissenschaft“ bezeichnete bei ihrer Entstehung „das durch Logik und Vernunft erlangte, gesicherte Wissen über die kausalen Zusammenhänge der Dinge“.
Historisch gesehen war sie eher ein Skalpell der Vernunft (schneiden, unterscheiden), um die chaotischen Sinneseindrücke in ein strenges logisches System zu ordnen. Erst im 19. Jahrhundert richtete sich dieses „Skalpell“ speziell auf die empirische Forschung im Labor.
Da wir über Bacons Herausforderung der „alten Wissenschaft“ sprechen, möchten Sie erfahren, wie er die Gelehrten seiner Zeit mit den drei berühmten Metaphern der „Ameise, Spinne und Biene“ kritisierte? Diese Metaphern veranschaulichen das Wesen des modernen wissenschaftlichen Denkens sehr treffend.
Was Sie hier beschreiben, ist eher eine „Tradition“ der Wissenschaft, nicht streng genommen der Beginn des Konzepts „Wissenschaft“, wie er beispielsweise in der Aufklärung stattfand. Ich möchte wissen, was Wissenschaft zu jener Zeit bedeutete.
Das ist eine sehr präzise Nachfrage. Wenn Sie die genaue Bedeutung von „Wissenschaft“ in der Aufklärung (18. Jahrhundert) ergründen wollen, dann sprechen wir nicht mehr über verstreutes „Wissen“, sondern über ein Werkzeug und System mit einer starken ideologischen Färbung.
In der Aufklärung war „Wissenschaft“ nicht nur „die Welt verstehen“, sondern ihr wurde die revolutionäre Bedeutung „Befreiung durch die Vernunft (Reason)“ verliehen. Hier sind die vier Kernbestimmungen von Science in jener Zeit:
1. „Klassifiziertes“ System: Der Baum der menschlichen Erkenntnis
Im einflussreichsten Werk der Aufklärung, der „Encyclopédie“ von Diderot und d’Alembert, wurde die Bedeutung von Wissenschaft als ein „Baum der menschlichen Erkenntnis“ konkretisiert.
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Bedeutung: Wissenschaft bedeutete hier, die chaotischen Sinneseindrücke nach Gedächtnis (Geschichte), Einbildungskraft (Poesie) und Vernunft (Philosophie/Wissenschaft) neu zu ordnen.
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Wesen: Wissenschaft wurde in dieser Phase als „Organisationsform der Vernunft“ betrachtet. Sie repräsentierte den Versuch des Menschen, durch Diagramme und Klassifikationen alles im Universum (von der Insektenklassifikation bis zum politischen System) in ein logisch strenges System zu bringen.
2. Entdeckung der „Naturgesetze“ (Newtonsches Paradigma)
Für die Aufklärer (wie Voltaire) war die Definition von Wissenschaft fast gleichbedeutend mit „der Suche nach Naturgesetzen“.
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Vom „göttlichen Willen“ zum „Gesetz“: Zuvor wurde der Lauf der Welt als Wille Gottes betrachtet; nach der Aufklärung bezeichnete Science die Entdeckung jener unveränderlichen, mathematischen Gesetze (wie die Gravitation).
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Universalität: Wissenschaft wurde eine „Universalität“ zugeschrieben. Wenn das Gravitationsgesetz in London galt, musste es auch in Paris oder Peking gelten. Diese „universelle Objektivität“ war eine wichtige Festlegung des Wissenschaftsbegriffs in der Aufklärung.
3. Die Vorherrschaft von „Experiment und Beobachtung“ (Anti-Metaphysik)
Die Science der Aufklärung grenzte sich klar von „Theologie“ und „Scholastik“ ab.
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Wissenschaft ist „nicht-metaphysisch“: D’Alembert und andere waren der Ansicht, dass alles, was nicht beobachtet oder experimentell verifiziert werden kann, nicht Science genannt werden dürfe.
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Bedeutungsverengung: Dies war der Beginn der Verengung von Science von „aller Gelehrsamkeit“ auf die „empirischen Disziplinen“. Die Lehren über die Seele oder das Wesen Gottes wurden allmählich aus dem Bereich der Science ausgeschlossen und dem „Glauben“ oder der „spekulativen Philosophie“ zugeordnet.
4. Wissenschaft als Motor des „Fortschritts“
Dies ist die zeittypischste Bedeutung, die die Aufklärung der Science verlieh: Werkzeug der Gesellschaftsreform.
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Utilitaristischer Zug: Wissenschaft war nicht mehr die Spekulation im stillen Kämmerlein, sondern diente der Verbesserung der Landwirtschaft, dem Bau von Maschinen, der Bekämpfung von Seuchen und sogar dem Entwurf rationalerer Regierungssysteme.
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Menschliche Autonomie: Die Geburtsstunde der Wissenschaft bedeutete politisch, dass „der Mensch sich nicht mehr auf Gott oder die Autorität der Tradition verlässt, sondern sich auf seine eigene Beobachtung und Vernunft stützt, um die Natur und die Gesellschaft zu beherrschen“.
Kurzübersicht zur Definition von „Wissenschaft“ in der Aufklärung
Dimension Definition der Aufklärung Ihr Gegenteil (Gegner)
Quelle Experiment, Beobachtung, mathematische Ableitung Offenbarung, Tradition, Dogma
Ziel Entdeckung objektiver Gesetze, Förderung des gesellschaftlichen Fortschritts Aufrechterhaltung der religiösen Ordnung, Auslegung des göttlichen Willens
Struktur Strenges Klassifikationssystem (enzyklopädisch) Verstreute Volksmärchen, isolierte Erfahrungen
Eigenschaft Universell, öffentlich, überprüfbar Geheimnisvoll, privilegiert, unhinterfragbar
Zusammenfassung
In der Aufklärung kam die Bedeutung von Science der unseres heutigen „Wissenschaft“ bereits sehr nahe, aber sie hatte eine zusätzliche „kämpferische“ Dimension. Sie bezeichnete damals: ein auf Vernunft basierendes, systematisches Wissensgebäude, das durch Beobachtung und Mathematik die Naturgesetze enthüllt und darauf abzielt, die menschliche Lage zu verbessern.
Erst aus dieser Forderung nach „Systematisierung“ entstanden die uns vertrauten eigenständigen Disziplinen wie Physik, Chemie und Biologie.
Möchten Sie sehen, wie die Aufklärer versuchten, diese „wissenschaftliche Methode“ auf die „menschliche Gesellschaft“ anzuwenden (die Vorläuferin der späteren Sozialwissenschaften)? Dies wurde damals als „Wissenschaft vom Menschen“ (Science of Man) bezeichnet.
Aber hatte „Wissenschaft“ nicht schon immer eine kämpferische Seite? In der Bewegung des 4. Mai 1919 in China wurde Mr. Science doch noch als große Fahne hochgehalten.
Ihr Instinkt ist sehr scharf. In der Tat, wenn wir über den modernen Begriff der „Wissenschaft“ sprechen, war er von Geburt an kein „Stubenhocker“, der ruhig im Labor experimentiert, sondern ein „Kämpfer“, der das Schwert der Wahrheit schwingt und überall Autoritäten herausfordert.
Der von Ihnen erwähnte Mr. Science (赛先生) in der Bewegung des 4. Mai 1919 ist der höchste Ausdruck dieser Kämpfernatur im modernen China. Aber der Inhalt dieser Kämpfernatur hat sowohl Ähnlichkeiten als auch subtile Unterschiede in der westlichen Aufklärung und der chinesischen Bewegung des 4. Mai.
1. Warum ist „Wissenschaft“ von Natur aus kämpferisch?
Von Bacon bis zur Aufklärung wurde der Begriff „Wissenschaft“ erfunden, dessen Hauptaufgabe nicht der „Aufbau“, sondern die „Zerstörung“ war.
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Ziel der Zerstörung: Blinder Glaube, Dogmen der Alten, das Auslegungsmonopol der Kirche und alle ungeprüften Traditionen.
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Kampflogik: Die Wissenschaft stellte eine äußerst anmaßende Logik auf – „Wenn deine Ansicht nicht experimentell bewiesen ist, ist sie gleichbedeutend mit Müll.“ > Diese Logik war zu ihrer Zeit äußerst revolutionär, denn sie entzog Königen, Päpsten und Gutsherren das Recht, aufgrund ihres „Standes“ zu sprechen, und übertrug die Entscheidungsgewalt den „Fakten“.
2. „Wissenschaft“ in der Aufklärung: Die Guillotine der Vernunft
Im Europa des 18. Jahrhunderts richtete sich die Kämpfernatur der Wissenschaft hauptsächlich gegen „Aberglauben“ und „Gottesgnadentum“.
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Kampfruf: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Sapere Aude!)
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Waffe: Newtons Physik.
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Wirkung: Wenn die Sterne am Himmel nicht von Engeln, sondern von der Gravitation bewegt werden, dann braucht auch die irdische Ordnung kein „Gottesgnadentum“. Die Aufklärer betrachteten die Naturgesetze als von Gott hinterlassene „Naturrechte“, um die feudale Hierarchie zu dekonstruieren.
3. „Mr. Science“ in der Bewegung des 4. Mai: Eine Waffe zur nationalen Rettung
Als der Begriff „Wissenschaft“ vor über 100 Jahren nach China kam, wurde seine Kämpfernatur noch radikaler, denn er trug die schwere Last der „Zivilisationsreform“.
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Doppelrolle: Die Pioniere wie Chen Duxiu sahen in „Wissenschaft“ nicht nur Physik und Chemie, sondern einen „wissenschaftlichen Geist“ (Haltung und Methode).
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Kampfziel: Nicht nur alte Theorien, sondern die gesamte alte Kultur, alte Ethik (konfuzianische Sittenlehre) und alte Lebensweise.
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Man hielt damals die traditionelle chinesische Medizin für unwissenschaftlich, Feng Shui für unwissenschaftlich, das Füßebinden für unwissenschaftlich und die drei Grundbeziehungen und fünf Tugenden für unwissenschaftlich.
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Die Rolle von Mr. Science als Fahne:> Zu dieser Zeit war „Wissenschaft“ nicht mehr nur ein Wissenssystem, sondern eine „Ideologie“ geworden. Sobald etwas als „unwissenschaftlich“ gebrandmarkt wurde, war es moralisch bankrott. Das ist die von Ihnen erwähnte Funktion der „großen Fahne“.
4. Die „zwei Gesichter“ der Wissenschaft
Wir müssen zwei Bedeutungen von „Wissenschaft“ in verschiedenen Kontexten unterscheiden:
Identität Zustand Kernmerkmal Beispiel
Wissenschaft als MethodeAufbauend, ruhig Beobachtung, Experiment, Daten, Fehlerkorrektur Impfstoffforschung im Labor
Wissenschaft als Wert (Scientismus)****Kämpferisch, revolutionärAberglauben brechen, Autoritäten herausfordern, Weltbild neu formen Aufklärung, Bewegung des 4. Mai, Abschaffung des Aberglaubens
Zusammenfassung
Sie haben recht: „Wissenschaft“ war nie ein neutrales Wort. Am Beginn der modernen Zivilisation war sie der Maßstab, um zu definieren, „was richtig und was falsch ist“. Ihre Kämpfernatur rührt daher, dass sie die alte Logik „Wer die Macht hat, hat das Sagen“ durch die neue Logik „Wer die Beweise hat, hat das Sagen“ ersetzte.
„Mr. Science“ in der Bewegung des 4. Mai war im Grunde das „Schwert der Vernunft“, das chinesische Intellektuelle aus dem Westen entlehnt hatten, das dort 300 Jahre geschliffen worden war, um die Fesseln der traditionellen Gesellschaft zu durchtrennen.
Glauben Sie, dass „Wissenschaft“ in der heutigen Zeit immer noch diese „Kämpfernatur“ besitzt? Oder ist sie von einem „Herausforderer“ zu einem „Herausgeforderten“ geworden (z. B. angesichts von KI-Ethik oder postmoderner Kritik)? Wir könnten über die aktuelle Situation der Wissenschaft sprechen.
Um zur Zeit der Aufklärung zurückzukehren: Waren damals science, la science und Wissenschaft semantisch extrem ähnlich?
Das ist eine sehr tiefgründige sprachübergreifende semantische Frage. Im Kontext der Aufklärung des 18. Jahrhunderts hatten diese drei Wörter tatsächlich eine gemeinsame „Seele“, aber in ihren spezifischen Inhalten und Entwicklungswegen sind sie wie drei Zweige eines Baumes – sie überschneiden sich, weisen aber auch deutliche Spannungen auf.
Kurz gesagt: In Bezug auf „Systematik“ und „Rationalität“ sind sie sich extrem ähnlich, aber in Bezug auf „Umfang“ und „Empirie“ haben das deutsche Wissenschaft und das englische/französische Science unterschiedliche Wege eingeschlagen.
1. Gemeinsamer Hintergrund: Systematisiertes Wissen (Systematicity)
Im 18. Jahrhundert, egal welche Sprache man sprach, bezeichneten diese drei Wörter „ein durch Prinzipien oder Gesetze organisiertes, strenges Wissenssystem“.
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Damals standen sie alle im Gegensatz zu „vereinzelter Erfahrung“. Wenn man nur wusste, dass „Wasser bergab fließt“, war das Erfahrung; wenn man die „Prinzipien der Strömungsmechanik“ kannte, war das Science/Wissenschaft.
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Sie alle spiegelten das Kernideal der Aufklärung wider: Die Welt ist erklärbar, und diese Erklärung muss systematisch sein.
2. Unterschiedliche Schwerpunkte
Science (Englisch) & La Science (Französisch): Hinwendung zur „Natur“ und „Empirie“
Aufgrund des großen Einflusses der Royal Society und der Académie des Sciences zeigte dieses Wort im englischen und französischen Kontext während der Aufklärung eine starke empiristische Tendenz.
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Schwerpunkt: Betonung von Beobachtung, Experiment und Mathematisierung.
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Semantische Entwicklung: Im 18. Jahrhundert konnte das französische la science zwar noch die „moral sciences“ (Vorläufer der Sozialwissenschaften) bezeichnen, aber es schloss zunehmend die nicht experimentell überprüfbare „Metaphysik“ aus.
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Repräsentant: Diderots Enzyklopädie. Sie betrachtete Science als das höchste Produkt der menschlichen Vernunft, um der religiösen „Offenbarung“ entgegenzutreten.
Wissenschaft (Deutsch): Die große „Gesamtwissenschaft“
Das deutsche Wissenschaft leitet sich von Wissen ab, und sein Umfang war von Anfang an viel weiter als der des englischen/französischen Science, und diese Weite hat sich bis heute erhalten.
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Schwerpunkt: Betonung von „strenger akademischer Forschung“. Alles, was strengen methodischen Prinzipien folgt und systematisch gelehrt und gelernt wird, sei es Physik oder das Studium von Homers Epen, wird als Wissenschaft bezeichnet.
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Besonderheit: Es umfasst die Geisteswissenschaften. Für Deutsche sind Geschichte, Sprachwissenschaft und Philosophie Wissenschaften.
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Philosophische Höhe: Wissenschaft bei Kant und Hegel bezeichnet oft die „Selbstentfaltung der Vernunft“. In ihren Augen muss wahre Wissenschaft zuerst Philosophie sein.
3. Vergleichstabelle (Kontext des späten 18. Jahrhunderts)
Begriff Semantischer Kern Umfang Gegensatz
Science (Engl.) Experimentelle und mathematische Gesetze Tendenz zu Naturwissenschaften Persönliche Vorurteile, traditionelle Dogmen
La Science (Franz.) Rationales Klassifikationssystem Naturgesetze, gesellschaftliche Prinzipien Aberglaube, theologische Offenbarung
Wissenschaft (Dt.) Strenges akademisches System Alle Disziplinen (inkl. Geisteswissenschaften, Philosophie) Fragmentiertes Wissen, irrationale Intuition
4. Warum entstanden diese Nuancen?
Dies hängt mit den unterschiedlichen Wegen der Aufklärung in den einzelnen Ländern zusammen:
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Die Aufklärung in England und Frankreich war revolutionär. Sie brauchten Science als einen empirischen „Hammer“, um die Fesseln des alten Systems zu zerschlagen. Daher musste sie Experimente, Daten und sichtbare Wahrheiten betonen.
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Die Aufklärung in Deutschland fand eher innerhalb der Universitäten und der akademischen Welt statt. Die damalige deutsche Elite (Bildungsbürgertum) versuchte, durch den Aufbau eines umfassenden akademischen Systems die nationale Bildung zu heben. Daher musste Wissenschaft die Geisteswissenschaften und die Philosophie einschließen, um ihre gedankliche Tiefe zu demonstrieren.
5. Die endgültige „Trennung“ der Semantik
Diese Ähnlichkeit zerbrach im 19. Jahrhundert endgültig. 1833 wurde das englische Wort Scientist geprägt, was markierte, dass das englische Science die Geistes- und Sozialwissenschaften offiziell „verließ“ und zum Eigennamen der Naturwissenschaften wurde. Das deutsche Wissenschaft hingegen bewahrt bis heute seine alles umfassende Breite.
Eine interessante Beobachtung: Als Bacon sagte: „Wissen ist Macht“, dachte er eher an das deutsche Wissenschaft (die große Gelehrsamkeit); als die Bewegung des 4. Mai in China „Mr. Science“ rief, hielten die chinesischen Intellektuellen tatsächlich das englisch-französische Science (die empirische Waffe) in der Hand.
Haben diese semantischen Nuancen der drei Sprachen Ihr Verständnis bestimmter philosophischer Werke (z. B. von Kant oder Mill) beeinflusst? Wenn Sie interessiert sind, können wir diskutieren, wie das Wort „科学“ (Kexue) bei seiner Übersetzung ins Chinesische zwischen diesen Nuancen gewählt hat.
Zu welchem konkreten Zeitpunkt zeigte sich diese Differenzierung? War das Wort Wissenschaft von Anfang an anders als Science und La Science, oder entstand die Divergenz erst in der konkreten Praxis?
Das ist eine sehr tiefgründige Frage. Um den konkreten Zeitpunkt der „Differenzierung“ zu beantworten, müssen wir mit einem Missverständnis aufräumen: Wissenschaft wurde nicht plötzlich als technischer Begriff „erfunden“, sondern erlebte zwischen dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert eine tiefgreifende „Bedeutungsrekonstruktion“ (Conceptual Re-engineering).
Diese Differenzierung zeigte sich hauptsächlich in der Zeit zwischen 1780 und 1840. In diesen sechzig Jahren trennten sich die philosophische Tradition des deutschen Sprachraums und die empiristische Tradition Englands und Frankreichs.
1. Semantischer Ausgangspunkt: Sie waren einst „Geschwister“
Vor der Mitte des 18. Jahrhunderts waren Wissenschaft, Science und La Science fast perfekte Übersetzungsäquivalente.
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Wissenschaft setzt sich aus Wissen + -schaft (Suffix für Kollektiv/Zustand) zusammen und wurde damals verwendet, um das lateinische Scientia zu übersetzen.
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Ihr gemeinsames Ziel war damals die „Ablehnung der Gelehrsamkeit (Erudition/Gelehrsamkeit)“. Die damaligen Gelehrten glaubten, dass das bloße Auswendiglernen vereinzelter Fakten „Gelehrsamkeit“ sei, während die Verknüpfung von Fakten zu einem logischen System erst „Wissenschaft“ sei.
2. Schlüsselmoment: Die „Humboldtsche Reform“ von 1810
Die Divergenz entstand nicht durch das Wort selbst, sondern durch die Praxis der „Organisation des Wissens“.
Deutscher Weg: Die „Akademisierung“ der Wissenschaft
1810 wurde die Universität Berlin (heute Humboldt-Universität) gegründet, der Ursprung des modernen Universitätssystems.
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Praxis: Wilhelm von Humboldt schlug vor, dass die Aufgabe der Universität nicht nur die Wissensvermittlung, sondern die „Forschung“ sei.
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Ergebnis: In den Augen der Deutschen war man, solange man systematische, auf Wahrheit abzielende, streng ausgebildete Forschung betrieb, dabei, Wissenschaft zu betreiben.
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Ausdruck: Dieser Geist bewahrte Wissenschaft eine große Inklusivität. Es umfasste nicht nur Physik und Chemie (Naturwissenschaften), sondern auch Geschichte, Philosophie und Sprachwissenschaft (Geisteswissenschaften).
Englisch-französischer Weg: Die „Spezialisierung und Empirisierung“ der Science
Gleichzeitig befanden sich England und Frankreich auf dem Höhepunkt der industriellen Revolution und des Positivismus.
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Praxis: 1833 prägte William Whewell das Wort Scientist, um diejenigen zu bezeichnen, die die materielle Welt erforschten.
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Ergebnis: Dieser Schritt markierte die vollständige Loslösung der Science von der „allgemeinen Gelehrsamkeit“. Da es im Englischen kein Äquivalent zu „Geisteswissenschaften“ gab, wurden diejenigen, die Geschichte und Literatur erforschten, den „Arts“ oder „Humanities“ zugeordnet und nicht mehr als Science bezeichnet.
3. Konkreter Ausdruck der Divergenz: Unterschiedliche Standards der Strenge
Diese Divergenz zeigte sich in der akademischen Praxis der Mitte des 19. Jahrhunderts deutlich:
Dimension**Wissenschaft (deutsche Tradition)**Science (englisch-französische / moderne englische Tradition)
Standard der Strenge****Systematik. Solange die Logik streng und die Methode nachvollziehbar ist, ist auch das Studium der Theologie Wissenschaft. Empirie. Es müssen Experimente, Daten und beobachtbare Beweise vorliegen.
Umfang****Alle Disziplinen. Geschichte, Theologie und Physik sind gleichberechtigt. Hauptsächlich Naturwissenschaften. Geistes- und Sozialwissenschaften gelten oft als „weiche Wissenschaften“ oder sogar als unwissenschaftlich.
Kernzweck****Bildung. Zur Vervollkommnung des menschlichen Geistes und zur Ganzheit des Wissens. Anwendung. Zur Beherrschung der Naturgesetze und zur Förderung des technischen Fortschritts.
4. Zusammenfassung: „Administrative Kräfte“ führten zur semantischen Divergenz
Man kann sagen, dass das Wort Wissenschaft semantisch stets an Bacons Ideal des „Wissens als Ganzes“ festhielt; während Science sich der Arbeitsteilung der modernen Gesellschaft anpasste.
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Moment der Divergenz: Die 1830er Jahre.
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Wesen der Divergenz: Die Deutschen definierten „Wissenschaft“ als eine strenge Haltung und Methode (daher ist Geschichte Wissenschaft); die Angloamerikaner definierten „Science“ als einen spezifischen Forschungsgegenstand (nämlich die materielle Welt).
Dies erklärt auch, warum wir heute beim Lesen deutscher Philosophen (wie Husserl oder Heidegger) verwirrt sind, wenn sie über „Philosophie als Wissenschaft“ sprechen – weil sie den breiten Begriff von Wissenschaft verwenden, während wir, beeinflusst vom angloamerikanischen Kontext, automatisch das Bild des „Laborkittels“ assoziieren.
Finden Sie nicht auch, dass es im Chinesischen seltsam klingt, „Geschichte“ oder „Philosophie“ als „Wissenschaft“ zu bezeichnen? Dies liegt daran, dass unser modernes chinesisches Wort „科学“ (Kexue) bei seiner Übersetzung im frühen 20. Jahrhundert eher die Bedeutung von Science im angloamerikanischen Kontext übernommen hat.
Wenn Sie interessiert sind, kann ich für Sie vergleichen: Warum hat das Wort „科学“ bei seinem Eintritt nach China ausgerechnet diese stark angloamerikanisch geprägte Definition von „Fachwissenschaft“ gewählt?
Wann tauchte das Wort Wissenschaft zum ersten Mal auf?
Wissenschaft ist kein neuzeitliches Kunstwort; seine „Hülle“ (das Wort) existiert im Deutschen seit über tausend Jahren, aber seine „Seele“ (die moderne wissenschaftliche Bedeutung) nahm erst im späten 18. Jahrhundert Gestalt an.
Wir können sein Auftreten und seine Entwicklung in drei Phasen unterteilen:
1. Geburt des Wortes: Althochdeutsche Zeit (ca. 8.-9. Jahrhundert)
Wissenschaft ist eine echte deutsche Wortkombination. Es tauchte erstmals in der Form "wizzanscaft" im Althochdeutschen auf.
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Etymologische Aufschlüsselung:
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wizzan: Das moderne deutsche wissen, abgeleitet von der indogermanischen Wurzel mit der Bedeutung „sehen“ oder „wahrnehmen“.
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-scaft: Das moderne deutsche -schaft (entspricht englisch -ship oder -hood), das einen Zustand, eine Sammlung oder eine Eigenschaft bezeichnet.
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Ursprüngliche Bedeutung: In jener Zeit war seine Bedeutung sehr schlicht, nämlich „Zustand des Wissens“ oder „Bewusstsein/Wissen“. Es wurde damals verwendet, um das lateinische notitia (Kenntnis) oder scientia (Wissen) zu übersetzen.
2. Das lange Mittelalter: Religiöser und rechtlicher Kontext
In den folgenden Jahrhunderten war Wissenschaft kein akademischer Begriff, sondern ein alltägliches oder rechtliches Wort.
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Es bezeichnete oft „Kenntnis von anderen“ oder „Zeugnis von etwas“.
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In der mystischen Theologie bezeichnete es „Erkenntnis Gottes“. Zu dieser Zeit unterschied es sich kaum vom englischen knowledge und hatte keinerlei Merkmale der modernen „Wissenschaft“ im Sinne von Strenge und Systematik.
3. Semantischer Wandel: Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts (Geburt des modernen Konzepts)
Was dem Wort die Bedeutung von „systematischem Wissen“, die wir heute diskutieren, verlieh, geschah im 18. Jahrhundert. Hier sind einige wichtige Wegbereiter:
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Christian Wolff (1720er Jahre): Er gilt als „Vater der deutschen Wissenschaftssprache“. Um die Vorherrschaft des Lateinischen zu brechen, verwendete er reichlich deutsche Vokabeln, um sein philosophisches System aufzubauen. Er definierte Wissenschaft offiziell als „eine aus unwiderleglichen Gründen abgeleitete Gewohnheit bezüglich aller möglichen Dinge“.
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Immanuel Kant (1780er Jahre): Kant gab in den Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft eine äußerst strenge Definition: „Nur diejenige Naturlehre kann als eigentliche Wissenschaft bezeichnet werden, die mathematisch behandelt werden kann.“ Dies markierte den Wandel hin zur „strengen Logik“.
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J.G. Fichte (1794): Er schrieb die berühmte Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre. Hier wurde Wissenschaft auf die höchste Stufe gehoben – sie war nicht nur ein Werkzeug zur Erforschung der Natur, sondern die ultimative Wissenschaft, die untersuchte, „wie Wissen selbst möglich ist“.
Zusammenfassung: Zeitleiste von Wort und Bedeutung
Zeitraum Wortform Kernbedeutung
8. - 11. Jahrhundert_wizzanscaft_ Wissen, Wahrnehmung, Bewusstsein (General awareness)
12. - 16. Jahrhundert_wizzenschaft_ Nachricht, Zeugnis, Kenntnis der Lehre
Frühes 18. Jahrhundert_Wissenschaft_Beginn der Definition als „systematisches Wissen“ (Wolff)
Spätes 18. - 19. Jahrhundert_Wissenschaft_Moderne Bedeutung: Strenge akademische Forschung/System (Kant, Fichte)
Kernschlussfolgerung
Das Wort Wissenschaft existiert seit dem 8. Jahrhundert, aber das Konzept „Wissenschaft/akademisches System“ wurde im 18. Jahrhundert geboren.
Seine Trennung vom englischen/französischen Science liegt darin: Während sich das englische/französische Science im 18. Jahrhundert zunehmend auf die „Naturwissenschaften“ spezialisierte, entwickelte sich das deutsche Wissenschaft unter dem Einfluss von Wolff und Kant hin zu einer „strengen Gesamtwissenschaft“.
Dies erklärt auch, warum Bacons scientia im modernen Deutschen immer noch mit Wissenschaft übersetzt wird, während man im modernen Englisch oft überlegen muss, ob es Science (Wissenschaft) oder Knowledge (Wissen) bedeutet.
Ist Ihnen aufgefallen, dass die deutsche Praxis, „alte Wörter neu zu beleben“, tatsächlich die Stellung der Geisteswissenschaften (wie Philosophie und Geschichte) im akademischen Pantheon geschützt hat? Im Gegensatz dazu hat das Englische mit der Prägung des neuen Wortes Scientist die Geisteswissenschaften aus der Definition der Wissenschaft „verdrängt“. Wie bewerten Sie den Einfluss dieser sprachlichen Logik auf den Status der Disziplinen?